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Spürhundesport, Geruchsstoffsuche, Zielobjektsuche – was ist eigentlich was?

Wenn ich mal Langeweile habe – kommt nicht so oft vor – aber wenn, dann suche ich schon mal in verschiedenen Facebookgruppen oder auch sonst im Internet nach Beiträgen zum Thema Nasenarbeit. Man muss ja auf dem Laufenden bleiben. Dabei fällt mir allerdings in letzter Zeit immer öfters auf, dass die beiden Nasenarbeitsvarianten Geruchsstoffsuche und Zielobjektsuche miteinander verwechselt werden. Es gibt da ein regelrechtes Begriffswirrwarr.

Spürhundesport, Geruchsstoffsuche, Zielobjektsuche - Mecki fragt sich was das jeweils ist.

Begriffswirrwarr im Spürhundesport

Das ist auch nicht verwunderlich. Sehen die beiden Varianten doch auf dem ersten Blick fast identisch aus. Schaut man aber ein bisschen tiefer unter die Oberfläche – kann man ganz deutliche Unterschiede erkennen.

Die Tatsache, dass sowohl die Geruchsstoffsuche, als auch die Zielobjektsuche bei den großen Hundesportorganisationen wie dem SV, DVG oder DHV unter demselben Oberbegriff – Spürhundesport – geführt werden, ist dabei wenig hilfreich. Man muss tatsächlich bei jedem Verband genau schauen, um welche Variante es sich genau handelt.

Wir riskieren daher heute mal einen detaillierteren Blick und versuchen die entscheidenden Unterschiede herauszufiltern. Ich hoffe, dass du damit besser abschätzen kannst, welche der Nasenarbeitsvarianten am besten zu dir und deiner Schnüffelnase passt.

Beginnen wir erst einmal mit dem Oberbegriff Spürhundesport:

Der besagt nichts anders, als dass hierbei die Tätigkeit von professionellen Spürhunden in den Hobbybereich übertragen wird.

Die Hobbyschnüffelnase sucht also nicht nach Drogen oder Sprengstoffen – sondern nach ungefährlichen und legalen Gerüchen. Sie untersuchen auch nicht die Fahrzeuge potenzieller Dealer oder die Koffer am Düsseldorfer Flughafen. Sie sind schlicht in unserer alltäglichen Umgebung unterwegs.

Soweit die grobe Einordnung. Die genauere Ausführung ist dabei jedoch unterschiedlich. Beim SV zum Beispiel suchen die Hunde nach einem Geruchsstoff (Tabak) während beim DVG ein Zielobjekt zum Einsatz kommt.
Auf den ersten Blick mag das egal sein. Genauer betrachtet ergeben sich jedoch ganz andere Möglichkeiten in der Anwendung.

Die Zielobjektsuche:

Die Zielobjektsuche wurde ursprünglich von Thomas Baumann ins Leben gerufen. Bei ihr lernt der Hund, einen kleinen Gegenstand zu suchen.

Dies ist sein ganz persönlicher Gegenstand. Es könnte z. B. ein Kugelschreiber, ein Feuerzeug oder ein kleines Stück Leder, Papier oder ähnliches sein. Der Gegenstand riecht natürlich nach dem Material, aus dem er gemacht wurde. Beim Kugelschreiber aus der Plastikhülle, der darin enthaltenen Farbe, und vielleicht auch noch metallisch aufgrund der darin befindlichen Feder oder angebrachter Verzierungen.

Der Kugelschreiber riecht aber auch nach dem Hund, denn er hat schon mehrmals daran geschnuppert. Genauso wie er auch nach dem Besitzer riecht, denn dieser trägt ihn mit sich und fasst ihn natürlich auch beim Anlegen der Verstecke an.

Dieser Mix aus Eigengeruch des Gegenstandes, Geruch des Hundes und Geruch seines Menschen führen zu einem absolut einzigartigen Geruch.

So trainierte Hunde können ihren Kugelschreiber überall aufspüren, auch unter zahlreichen anderen Kugelschreibern.

Natürlich kann der Hund weitere Gegenstände erlernen, aber die Anzahl bleibt trotzdem entweder eingeschränkt oder es dauert zumindest eine Weile, um eine große Anzahl von Gegenständen zu trainieren.

Soll eine andere Personen ein Versteck anzulegen, damit der Hundeführer nicht weiß, wo es sich befindet, muss der antrainierte Gegenstand übergeben werden. Es könnte nicht einfach irgendein Kugelschreiber verwendet werden. Es muss exakt dieser sein.

Im Gruppentraining muss daher auch für jeden Hund die Aufgabe individuell angelegt werden.

Im Vergleich dazu die Geruchsstoffsuche.


Hier lernt der Hund einen neutralen Geruch kennen und lieben. Das kann ein Teegeruch, Kräuter, ätherische Öle oder wie in unserem Fall Zedernholz sein.

Um die Umgebung nicht zu kontaminieren, wird auch dieser Geruchsstoff in kleine Behälter gegeben.
Das können z. B. kleine Becher, Röhren, Blechdöschen, Globuli Gefäße, Schlauchstücke und vieles mehr sein.

Bei der Geruchsstoffsuche geht es jedoch wirklich nur um den eigentlichen Geruchsstoff. Der Geruch des umgebenden Materials, des Hundes und auch seines Menschen spielt keine Rolle. Es gilt, die volle Konzentration auf den erlernten Geruch zu richten. Ablenkungen auch durch andere Gerüche, Futter oder Spielzeug sind zu ignorieren.

Bis jetzt ist es noch kein großer Unterschied zur Zielobjektsuche – und wenn du nur selber Suchaufgaben anlegst und wenige Verstecke benötigst, wäre es an dieser Stelle ganz egal, worauf du deinen Hund konditionierst.

Wenn du dir aber mehr Möglichkeiten offen halten möchtest, birgt die Geruchsstoffsuche entscheidende Vorteile:

Trainingspartner, die mit dem gleichen Geruch arbeiten, können ganz einfach für ein anderes Hund-Mensch-Team Verstecke anlegen. Sie können dabei direkt Ihre eigenen Gegenstände verwenden. Ein Austausch muss nicht erfolgen.

Genauso kann eine Suchaufgabe auch problemlos von mehreren Hunden abgesucht werden, vorausgesetzt natürlich wieder alle verwenden den gleichen Geruch.

Je nach verwendetem Duft kann der Hund auch noch nach Wochen ein Versteck aufspüren. So können Suchaufgaben über einen langen Zeitraum angelegt bleiben. Eine Gestaltung ähnlich wie beim Geocaching ist damit möglich.

Die Anzahl der Verstecke ist bereits bei einem Geruch unendlich. Natürlich steht es jedem Team frei, noch weitere Gerüche zu erlernen. Hat der Hund erst einmal verstanden, dass es sich lohnt nach einem Geruch Ausschau zu halten – erfolgt die Konditionierung auf einen weiteren Geruch innerhalb kürzester Zeit. Unsere Border Collie Hündin hat unter anderem Tabak, ätherisches Anisöl, Trüffel, Geld, Metalle, Naturkautschuk und Zedernholz gesucht.

Die Unterscheidung unterschiedlicher Gerüche, das Spiel mit der Geruchsintensität, dem Alter und vieles mehr ermöglicht weiterführende Trainingsinhalte, wie sie bei der Zielobjektsuche so nicht möglich sind.

Schlussbetrachtung

Die Zielobjektsuche und die Geruchsstoffsuche sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Ja, sogar die ersten Übungsschritte sind nahezu identisch. Solange du nur alleine mit deinem Hund übst und nur wenige Verstecke dabei benötigst, spielt es keine Rolle für welche Variante du dich entscheidest. Auf lange Sicht bietet die Geruchsstoffsuche jedoch mehr Möglichkeiten.
Alleine die Tatsache meine Suchaufgaben mit einem anderen Team zu teilen, empfand ich für mich privat, aber auch in meiner Funktion als Hundetrainerin als riesengroßen Pluspunkt.

Erst durch die Verwendung eines einheitlichen Geruchs waren wir in der Lage, Verstecke ähnlich wie beim Geocachen für befreundete Schnüffelnasen und mittlerweile unsere Vereinsmitglieder anzulegen

So gerne ich den Geruchsstoff für mich alleine unterwegs im Spaziergang nutze, so toll finde ich es aber auch eine Suchaufgabe zu lösen, bei der ich nicht weiß, wo sich das Versteckt befindet. Wenn mein Hund bei diesen Aufgaben fündig wird, ist das noch mal ein ganz anderer Kick. Die Geruchsstoffsuche macht genau das extrem einfach – und dafür muss ich mich noch nicht einmal mit meinem Trainingspartner treffen. Ich werde dies in einem anderen Beitrag noch ausführlicher erläutern.

Fazit

Wenn du nach einer Möglichkeit suchst, sowohl alleine als auch in einer Gruppe mit deinem Hund zu trainieren, dann würde ich die Geruchsstoffsuche der Zielobjektsuche vorziehen. Für mich bietet sie eine größere Bandbreite an Möglichkeiten. Selbst wenn du jetzt nur nach einer Möglichkeit suchst, im Alleingang tolle Schnüffelaufgaben für deinen Hund anzulegen – wenn du glaubst, dass du nie Verstecke suchen möchtest, die jemand anderes angelegt hat – mit der Geruchsstoffsuche lässt du dir immerhin die Option offen.

Das ist aber nur meine Meinung. Es steht dir natürlich frei eine andere zu haben.

Ab dem 15.03.24 starten wir eine Nosetracking – Challenge, in der wir dir die ersten Trainingsschritte zur Geruchsstoffsuche vorstellen. Schnuppere gerne mit hinein und schau ob diese Nasenarbeitsvariante auch etwas für dich wäre. Ich würde mich riesig freuen, wenn du mit dabei bist.

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