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NT-Challenge | 1. Tag | Motivation

Hallo und willkommen zu Tag Nummer eins.

Heute, wird es leider erst einmal recht theoretisch. Das tut mir leid, aber ich finde, das ist wichtig. Nur wenn ihr die Hintergründe kennt, könnt ihr verstehen, worauf ihr von Anfang an achten müsst. Also gönnt euch einen Kaffee – lehnt euch zurück und lest euch die Erläuterung durch. Am Ende warten zwei kleine Tests auf euch, die ihr direkt mit eurem Hund ausprobieren könnt.

Die Suche nach einem neutralen Geruch

Beim Spürhundetraining sucht der Hund nach einem Geruchsstoff, der ihm im Grunde völlig egal ist.

Drogen, Sprengstoffe oder ihre ungefährlichen Vertreter wie Tees, Kräuter, Zedernholz etc. bedeuten dem Hund nichts.

Mit ihrer Nase können sie feinste Gerüche aufnehmen, aber Blumen, Kräuter oder ähnliche Düfte schenken sie keiner Beachtung. 

Das kennen wir auch. Wir sind Welt­meister im Sehen.

Würden wir aber alles, was wir sehen, bewusst verarbeiten, würde unser Gehirn platzen. Daher selektiert unser Unterbewussten aus. Nur Szenen, die uns interessieren, gelangen in höhere Gehirnregionen.

Gehen wir zum Beispiel eine Straße entlang, sind uns die vorbeifahrenden Autos im Normalfall egal. Eines Tages beschließen wir, ein neues Auto zu kaufen. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, welches Modell, nur dass es ein Kastenwagen sein soll.

In den nächsten Tagen sehen wir draußen überall Kastenwagen. Wir fragen uns, ob schon immer so viele unterwegs waren. Wir haben fast den Eindruck, dass es kaum noch andere Autos gibt.

Haben wir uns aber für ein Model entschieden und steht es schließlich in unserer Garage, dann verschwinden die Kastenwagen – genauso schnell, wie sie gekommen sind. 

Bei der Geruchsstoffsuche müssen wir den zu suchenden Duft zu einem Kastenwagen machen. Wir müssen es schaffen, dass unsere Hunde sich dafür begeistern, damit sie ihn überhaupt wahrnehmen. 

Dies gelingt durch eine sogenannte Konditionierung. In diesem Fall wird ein neutraler Geruch mit einer tollen Belohnung – Futter oder Spiel – kombiniert.

Mit der Zeit wird der Geruch zu einem Versprechen für eine Futter- oder Spielbelohnung, wodurch Glückshormone ausgeschüttet werden, sobald der Geruch wahrgenommen wird.
Der Hund hat gelernt:


Geruch = Futter

Der einst neutrale Geruch wird zu einem bedingten Geruch.

Bevor wir also aktiv mit dem Hund in die Suche starten können, ist etwas Vorarbeit vonnöten. Um so intensiver die Konditionierung gelingt, um so begeisterter wird der Hund später suchen. 

Die Mühe lohnt sich, denn mit dem konditionierten Geruch können wir eine Vielzahl interessanter Suchaufgaben anlegen. 

Die Motivation – Mach den Geruch zu einem Kastenwagen

Zunächst motivieren wir also den Hund zu suchen, indem wir ihm eine tolle Belohnung für sein Handeln in Aussicht stellen. Die Motivation kommt also von uns, von außen. Mit der Zeit führt jedoch die Begeisterung, die Belohnung zu erhalten, auch zum Spaß an der Suche selber. Das Geruchspuzzle zu lösen macht stolz  – gerne nimmt der Hund neue Herausforderungen an und freut sich über die Anerkennung und Begeisterung, die ihm durch uns zuteilwird. So wird “suchen dürfen” zu einer sogenannten intrinsischen Motivation und der Hund wird mit Feuereifer bei der Sache sein.

Ist der Hund jedoch nicht motiviert, verweigert er die Mitarbeit. Er rührt sich entweder gar nicht, oder er tut nur so als ob er sucht. In Wirklichkeit interessiert er sich für jeden Ablenkungsduft. Der Rüde, der an dem Laternenpfahl markiert hat, die Hündin, die kurz vor der Läufigkeit steht oder Wildgerüche jeder Art sind dann viel wichtiger, wie der zu suchende Duft. Wenn du bei der Suche schon einmal vor einem Haus gelandet bist, in dem offensichtlich eine Katze wohnt, statt beim zu suchenden Geruchsstoff, dann weißt du, wovon ich rede. Ist mir schon passiert.

Wird der unmotivierte Hund überhaupt mal fündig dann, weil er regelrecht über den Geruch gestolpert ist, oder durch uns bewusst oder unbewusst zum Ziel geführt wurde.

Wir halten also fest: Wenn wir möchten, dass unser Hund den von uns gewünschten Geruch sucht, dann benötigen wir einen hoch motivierten Hund, der mit vollem Einsatz und Konzentration für uns in die Suche geht.
Achtung: Die Rede ist von einem begeisterten Hund – nicht von einem völlig überdrehten. Zu viel Motivation ist auch nicht immer gut. Dazu aber später mehr. 

Hier soll es erst einmal darum gehen, eine Motivation aufzubauen. Dies gelingt über den Einsatz äußerer Anreize.

Die richtigen äußeren Anreize

Es gibt verschieden Anreize, die die Motivation fördern oder regelrecht killen können.

Stimmung des Menschen

Ein wichtiger Faktor ist deine Stimmung. Wirklich. Unterschätze das nicht. Hunde sind soziale Lebewesen. Sie sind Weltmeister darin, Stimmungen wahrzunehmen. Oft gelingt ihnen das ehrlich gesagt besser als uns. Dabei nehmen sie die Stimmungen nicht nur wahr. Sie übertragen sie auch auf sich. Gehen wir lustlos an eine Aufgabe, wird auch unser Hund schnell keine Lust mehr haben. Sind wir gestresst und genervt, reagieren viele Hunde zurückhaltend oder sie versuchen die Stimmung durch Spielaufforderungen aufzulockern. Leider kommen die beim ohne hin schon genervten Menschen nicht immer gut an.

Solltest du also abgeschlagen von der Arbeit kommen, gönn dir eine Auszeit. Ruhe dich etwas aus, mach einen Spaziergang, oder was immer dich entspannt und starte erst danach eine Übungseinheit mit deinem Hund.

Versuche beim Training locker zu sein. Lächel deinen Hund an, wenn er etwas richtig gemacht hat und nutze eine höhere Stimmlage, um ihn zu loben. Ich meine damit keine aufgesetzte künstliche Freude. Du musst nicht ausflippen und in Ekstase verfallen, oder so laut jubeln, dass noch der Nachbar drei Häuser weiter dich hört. Es reicht, wenn du ehrliche Begeisterung zeigst. Wie ein Kind, das zu Weihnachten das lang ersehnte Geschenk unterm Baum findet.

Das richtige Motivationsmittel

Auch wenn wir uns wünschen, dass unser Hund alles mit Begeisterung tut, was wir von ihm wollen, weil er unsere Nase so sehr liebt. Realistisch gesehen bedarf es etwas mehr. Wir brauchen ein Motivationsmittel. Im einfachsten Fall Futter oder Spielzeug.

Du kennst deinen Hund am besten. Ist er ein absoluter Spielefan, der stundenlang mit Begeisterung mit dir spielt und dich ständig zu einer Spieleinheit auffordert?  Dann könnte eine Belohnung mit Spiel die für euch beste Option sein.

Oder lässt dein Hund bei Futter jedes noch so gute Spiel links liegen? Kannst du ihn mithilfe von Futter durch jede Ablenkungssituation hindurchführen? Hast du öfters das Gefühl, dass er das nur wegen des Futters gemacht hat?  Dann ist klar, dass du mit einer Futterbelohnung den größten Effekt erzielen kannst.

Natürlich ist es dennoch möglich, zu einer Spielzeugbelohnung auch Futter einzusetzen, beziehungsweise bei einem Futter motivierten Hund auch eine Spieleinheit einzulegen.

Bei unserer Frage geht es um das hauptsächliche Belohnungsmittel.

Vermutlich wirst du jetzt schon wissentlich nicken und dir sicher sein, dass du weißt, womit du deinen Hund begeistern kannst.

Da ich mich aber selber schon mal richtig vertan habe – möchte ich dich zu einem kleinen Test einladen:

Spielzeug/ Futter – Test. 

Für den Test benötigst du ein Spielzeug. Wähle das, von dem du ausgehst, dass dein Hund es am liebsten hat. Zusätzlich benötigst du eine offene Tupperdose, Schale, Napf oder ähnliches und mehrere Leckerchen. 

Variante 1

Lass deinen Hund sitzen und gib ihm ein Bleibkommando. Wenn dein Hund dieses Kommando noch nicht richtig beherrscht, bitte einen Helfer, ihn festzuhalten.

Nimm das Spielzeug in die eine Hand und die Dose mit einigen Futterstücken darin in die andere. Zeig deinem Hund die beiden Sachen. Nur zeigen – nicht geben. 

Gehe nun drei bis vier Schritte von ihm weg. Stell dich so hin, dass du ihm gegenüber stehst. Lege beide Gegenstände möglichst zeitgleich – etwa schulterbreit auseinander – vor deinen Füßen – auf den Boden
Erlaube deinem Hund loszulaufen. Er darf frei wählen, ob er das Spielzeug oder das Futter nehmen möchte.
Egal welche Wahl er trifft – nimm die andere Option hoch. Er darf auf gar keinen Fall auch noch an die andere Option herankommen.
Vielleicht hat er nähmlich gedacht, er könnte beides haben. Das das nicht funktioniert wird er spätestens jetzt merken.
Wiederhole im Anschluss den Test noch einmal. Schau, ob er wieder die gleiche Wahl trifft.

Hat er sich beim zweiten Durchgang für das Futter entschieden, dann versuche bitte noch die folgende Variante….

Variante 1 Durchgang 1
Variante 1 Durchgang 2

Variante 2

Wähle den gleichen Ablauf wie bisher, nur diesmal bewegst du das Spielzeug, während du deinem Hund erlaubst loszulaufen. Hat er immer noch das Futter gewählt oder war diesmal das Spielzeug interessanter?

Wenn seine Wahl immer noch auf das Futter gefallen ist, dann starte einen letzten Durchgang. 

Variante 2

Variante 3

Diesmal stellst du den Futterbecher ab – das Spielzeug wirfst du jedoch weg. Gib deinem Hund direkt nach dem Wurf die Freigabe, seine Wahl zu treffen. Und? War es immer noch das Futter?

Variante 3

Fazit

Hat dein Hund bereits bei den ersten beiden Durchgängen das Spielzeug gewählt, dann solltest du dies auf jeden Fall zur Belohnung einsetzten. 
In den anderen Fällen nutze Futter zur Belohnung, aber ergänze es mit aktiven Spieleinheiten. Ein Futterbeutel kann bei diesen Hunden auch eine gute Wahl sein.

Da ich keine magische Kugel besitze, durch die ich euch beim Training beobachten kann, brauche ich euer Feedback. Schreibt doch bitte kurz in die Kommentarfunktion, ob eurer Hund vorrangig a) Futter oder b) Spielzeug bevorzugt.

Schreibe deinen Kommentar gerne direkt unter diesen Beitrag oder unter den heutigen Post in der Facebookgruppe.

Finde das super Leckerchen – ein Test auch für Spieljunkies

Wir haben nun herausgefunden, was dein Hund lieber mag: Futter oder Spielzeug. Für einige Anfangsübungen benötigen wir dennoch eine Futterbelohnung. Auch wenn dein Hund nicht so verfressen ist, kannst du bestimmt etwas finden, was er mag. Für Futter-motivierte Hunde gilt es herauszufinden, welche Futterbelohnung er am liebsten hat.

Wenn du noch kein Superleckerchen für dich gefunden hast, dann gibt es auch dafür einen kleinen Test.

Im nachfolgenden Video stelle ich dir diesen Test vor. Probiere es direkt einmal aus: 

Ich rate dir mehrere besondere Leckerbissen ausfindig zu machen, und diese beim Training abwechselnd zu verwenden. Wenn es immer dieselbe Belohnung gibt, kann auch das irgendwann langweilig werden.

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9 Comments
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Michaela, Martin & Mila

Futter hat Priorität
Supperfutter gefunden (zwei Favoriten)

Katharina, Albert und Wilma

Albert und Wilma sind auch für Futter. Hätte bei Wilma Spielzeug gedacht, aber naja.
Superleckerchen aussuchen fanden beide ne gute Idee

Marion und Oliver mit Mütze

Mütze hat sich eindeutig für das Futter entschieden 🙃

Kiki

Moin! Ich bin immer einen Tag später und frage mich für den morgigen Test: tolles Spielzeug ist angesagt, aber wie hochwertig soll das Leckerchen sein? Jubi nimmt auch ödes Trofu, aber ich glaube bei Keks könnte die Wertigkeit des Leckerchen eine Rolle spielen. Danke im Voraus Kiki

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Hallo Kiki, wähle bei dem Test ein Futter, was sie wirklich mögen. Wenn dann trotzdem das Spielzeug gewählt wird weißt du das die Begeisterung nicht so leich gebrochen werden kann.
Du kannst den Test aber auch beliebig abwandeln und bis ins Detail die Vorlieben herausfinden.

Kiki

Erledigt. Wenn es nicht das normale Trofu gibt ist selbst Keks verfressener als verspielt.

Andrea

Ich bin total überrascht. Yuma hat sich tatsächlich für das Spielzeug entschieden : )