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Spürhundetraining – was du bei der Wahl des Geruchs beachten solltest.

Geruch im Spürhundetraining.

Möchtest du ins Spürhundetraining einsteigen, benötigst du vor allem eins – einen Geruch. Die Liste möglicher Duftstoffe ist lang. Zedernholz, Pilze, Anis, Gummi, Geld, Knochen, Kot, Sprengstoff, Drogen, geschützte Tiere, Bettwanzen, Schimmel……. jeder Duft, so scheint es, ist für das Spürhundetraining geeignet.

Nun, eigentlich ist das auch so.

Eigentlich!

Einige Punkte gilt es dennoch zu beachten, vor allem dann, wenn du deinen Hund nur zum Spaß auf einen Geruch konditionieren möchtest und kein professionelles Spürhundetraining anstrebst.

In diesem Artikel besprechen wir die Punkte, die du bei der Wahl des Geruchs in Erwägung ziehen solltest, und warum wir für das Anfängertraining Zedernholz verwenden.

Verwende legale und unschädliche Gerüche

Ich denke, das erklärt sich von selbst ….. Der Geruch muss ungefährlich und legal sein.
Somit scheiden Drogen und Sprengstoffe genau so aus, wie ätzende Flüssigkeiten und Gase.

Im Hobbybereich würde ich auch auf den Einsatz von möglicherweise gesundheitsgefährdenen Gerüchen wie zum Beispiel Schimmelpilz verzichten. Vor allem, wenn ich mich mit der Materie nicht richtig auskenne. Natürlich riechen die Hunde beim Schimmelpilz nicht an offensichtlich betroffenen Stellen – dafür braucht es keinen Suchhund. Sie werden nur sehr geringen Konzentrationen ausgesetzt, und diese sollten für einen gesunden Hund kein Problem darstellen. Sollten. Ich möchte das Risiko dennoch nicht eingehen.

Verwende neutrale Gerüche

Diesen Punkt mag der ein oder andere anders sehen, aber für mich gelten Futter, Leckerchen oder ähnliches nicht als Geruchsstoff.
Verstehe mich nicht falsch. Es spricht absolut nichts dagegen, bei einem Schnüffelneuling mit der Futtersuche zu starten.
Es erleichtert den Einstieg. Essbares zu finden, liegt unseren Fellnasen im Blut. Wir können damit bereits einen Finderwillen aufbauen und verschiedene Schwierigkeiten – wie zum Beispiel ein Versteck in der Höhe – trainieren.

Auch der Geruch des Besitzers, des Hundes selber oder eines anderen Lebewesens werden von uns nicht für die Geruchsstoffsuche verwendet. Auch hierbei versteht der Hund, als Verwandter des Wolfes und damit nach wie vor als Beutegreifer, schnell, das er nach diesen Düften Ausschau halten soll.

Beim Spürhundetraining geht es aber nicht darum, etwas aufzuspüren, was für den Hund von Natur aus selbstverständlich ist. Er soll vielmehr etwas finden, was für ihn unter normalen Umständen keine Bedeutung hat.
Erst durch das gezielte Training entsteht eine Begeisterung für den Geruch, indem er mit einer für ihn tollen Belohnung verknüpft wird. Wir bezeichnen dies als »Geruchskonditionierung«.

Was du zur Konditionierung nutzt – Spielzeug oder Leckerchen oder was anderes – hängt vor allem von den Vorlieben deines Hundes ab.

Mit dem konditionierten Geruch können wir anspruchsvollere Suchaufgaben gestalten. Er eröffnet Möglichkeiten, die mit Futter oder Spielzeug nicht unmgesetzt werden können.

Verwende unkomplizierte Gerüche

Ein weiterer Punkt, der zumindest eine Überlegung wert ist, ist der Umgang mit dem Duftstoff. Manche Gerüche sind schwierig in der Handhabung und Aufbewahrung. Borkenkäfer oder Bettwanzen sollten noch lebendig sein. Wird der Hund nur auf tote Lebewesen trainiert, würde er einen frischen Befall eventuell nicht anzeigen.

Feine Materialien wie zum Beispiel gemalene Gewürze rieseln selbst aus kleinsten Löchern heraus. Lose auftragen lassen sie sich auch nicht, da ein leichter Windhauch sie sofort in alle Himmelsrichtungen verteilen würde. Eine Kontamination des Suchgebiets ist nur schwerlich zu vermeiden.

Mach dir daher im Vorfeld darüber Gedanken, wie du deine Geruchsstoffe am besten aufbewahren und auslegen kannst.

Kompliziert kann ein Geruch auch werden, wenn du nicht sicher sein kannst, ob dein Hund ihn wirklich gefunden hat. Daher würde ich nie einen Geruch wählen, der in deiner Umgebung auch natürlich vorkommt. Zumindest nicht, wenn er nicht ganz eindeutig zu erkennen ist.

Ich habe meinen Terrier einst auf Kamille konditioniert. Ich dachte es wäre praktisch nach wild am Wegrand wachsender Kamille suchen zu lassen. Ich könnte so ausschließen, das mein Geruch an der Pflanze haftet und damit sicher sein, das er wirklich den richtigen Duft sucht. Es klappte. Mein Hund zeigte die Kamillenpflanze an. Er zeigte aber auch öfters Stellen am Boden an, wo ich keine Pflanze oder Bestandteile wie zum Beispiel ein Blütenblatt erkennen konnte. Ich war mir nicht sicher, ob er einfach nur Rate mal mit Rosenthal spielte oder ob er dort wirklich Kamille gerochen hatte. Waren meine Augen zu schlecht. Oder hatte dort eine Blüte gelegen, die in der Zwischenzeit weiter geweht wurde.
Am Ende brach ich das Training ab und wechselte auf einen Geruch, der Hierzulande nicht vorkommt.

Verwende keine ekeligen Gerüche

Ein Geruch, den dein Hund abstoßend findet, ist nicht geeignet.
Viele Gerüche, die uns gefallen, ekeln deinen Hund eventuell an. Darunter fallen blumige und zitronige Düfte. Daher rate ich dir, deine Auswahl zunächst zu testen.

Halte ihm deinen Wunschgeruch hin – nicht direkt vor die Nase, sondern einige Zentimeter entfernt davon. Wie verhält sich dein Hund?
Schnuppert er aus der Distanz? Kommt er näher, um es zu untersuchen? Schnuppert er sogar etwas intensiver? Kannst du ihn noch einmal anlocken, wenn er sich vom Geruch abwendet? Super, dann ist es die richtige Wahl.

Wirkt dein Hund jedoch direkt zu Beginn des Tests, richtig angeekelt oder gar verängstigt – und ändert sich dies auch nach einer kurzen Trainingseinheit nicht – dann wähle lieber einen anderen Duftstoff. Verstehe mich nicht falsch. Wir erwarten nicht gleich die schiere Extrase – aber auch kein hysterisches Wegrennen, sobald man mit dem Duft in die Nähe des Hundes kommt.

Bitte beachte: Teste einen Geruch nicht minutenlang oder mehrmals hintereinander. Es reicht ein kurzer Versuch.
Wenn du den Duft öfters hinhältst, ist es wenig verwunderlich, wenn er nicht mehr daran riecht. Vermutlich denkt er: “Was soll der Quatsch. Warum hältst du mir ständig das Ding unter die Nase?”

Achtung: Bitte überprüfe, falls dein Hund den Geruch meidet, ob er eventuell zu intensiv ist. Es gilt, bei den meisten Hunden, was du noch schwach wahrnehmen kannst ist ok.

Mach die Wahl des Geruchs aber nicht nur von deinem Hund abhängig. Aus eigener leidlichen Erfahrung kann ich nur davor warnen eine Geruch zu wählen, den du selbst als ekelig einstufst. Als wir mit Nosetracking starteten kamen wir auf die Idee als zweiten Duft Nelke einzuführen. Den Hunden machte es nichts aus, aber ich fand den Geruch einfach nur wiederlich. Nach zwei Trainingseinheiten war für mich endgültig klar, das halte ich nicht lange aus. Nelke wurde gestrichen.

Verwende einen “einfachen” Geruch

Ein Geruch mit einer einfachen Duftentwicklung ist für den Start optimal. Hierzu zählen zum Beispiel pflanzliche und organische Düfte. Sie haben einen deutlichen, klaren Geruchskegel und sind dadurch leichter aufzufinden.

Einfach bedeutet dabei nicht einzeln. Es geht mehr um die Art, wie der Geruch in die Atmosphäre freigesetzt wird. Du kannst auch einen Mischgeruch verwenden. Würdest du z. B. eine Anis-Fenchel-Kümmel- Mischung wählen, wie sie im Geschäft gerne als Kräutertee angeboten wird, lernt dein Hund direkt alle drei Komponenten kennen. Nach erfolgreicher Konditionierung auf den Mischgeruch kann dein Hund die Gerüche einzeln oder in Kombination auffinden.

Neben den »einfachen« Gerüchen gibt es »schwierige«. Materialien wie z. B. Metalle. Diese können Hunde schlecht orten. Sie geben aufgrund ihrer Beschaffenheit wenig Eigengeruch ab. Dafür lösen sich Anhaftungen leicht von der Oberfläche.

Dies führt schnell zu falschen Verknüpfungen. Dein Hund lernt nicht den Metallgeruch kennen, sondern die Anhaftungen, also auch deinen Geruch. Du kannst dich noch so bemühen, aber so lange du selbst die Suche anlegst, werden die Suchobjekte auch nach dir riechen. Da der Metallgeruch nicht dominant ist, rücken die Anhaftungen in den Vordergrund. Anders verhält es sich bei Tees und ätherische Ölen. Sie haben einen intensiven Geruch. Unser menschlicher Duft spielt da nur eine untergeordnete Rolle, vor allem dann, wenn wir sorgsam damit umgehen.

Bei metallischen Gerüchen hingegen ist die Gefahr groß, dass sich dein Hund hauptsächlich auf deine Anhaftungen konzentriert. Aus diesem Grund rate ich dir auf Metall, Silber, Porzellan und ähnliche Gerüche zum Trainingsbeginn zu verzichten. Später, wenn dein Hund Erfahrungen mit der Geruchsstoffsuche gesammelt hat, sind auch schwierige Gerüche möglich.

Verwende intensive Gerüch sorgsam

Gerüche, die die Umgebung kontaminieren, dürfen nicht pur verwendet werden.

Anfangs nutzten wir in unseren Trainingsgruppen vor allem ätherische Öle. Diese sollten nie pur auf eine Oberfläche aufgetragen werden. Sie lösen sich zwar mit der Zeit rückstandslos auf, aber eben erst mit der Zeit. Bis dahin gilt das Suchgebiet als kontaminiert.  Aus Erfahrung weiß ich, das die Hunde die Stellen bei manchen Ölen selbst noch nach Wochen angezeigt haben.

Gerüche, die das Suchgebiet kontaminieren übertragen wir heute erst auf einen Geruchsträger. Das kann zum Beispiel ein Gazestreifen oder ein Q-Tipp sein. Dabei wird das Öl nicht direkt darauf geträufelt, sondern der Q-Tipp wird nur für mehrere Stunden in den Geruch gelegt. Der so mit Duft behaftete Geruchsträger wird schließlich in einen kleinen Behälter gelegt und versteckt. Der Behälter verhindert zusätzlich eine Kontamination.
Wie du einen Geruchsträger erstellst, zeigt dieser Beitrag:

Geruchsträger selber erstellen

Verwende zur Konditionierung schwache aber wahrnehmbare Gerüche

Stark riechende Substanzen, wie ätherische Öle aber auch viele Kräuter sind pur viel zu geruchsintensiv für deinen Hund. Durch die Übertragung auf einen Geruchsträger wird die Intensität herabgesetzt. Bei stark riechenden Tees genügt es, den Teebeutel zum Auslüften ins Freie zu legen. Wähle dafür bitte einen trockenen Platz. Alternativ kannst du ihn in eine Lage Küchenkrepp einwickeln und so in einen Suchbehälter geben.

Als grobe Richtschnur gilt: ist der Geruch von dir noch leicht wahrnehmbar, dann ist er richtig.

Natürlich riecht dein Hund viel besser als du.
Bestimmt ist ein Geruch, auch wenn du ihn nicht mehr riechst, noch für die Suche geeignet. Aber aus Erfahrung weiß ich, das du dabei unsicher sein wirst. Ist der Geruch wirklich noch da? Was riecht er genau? Um im Training sicher sein zu können, dass dein Hund auf den richtigen Geruch konditioniert wird, musst du ihn noch riechen können.

Im weiteren Trainingsverlauf, wenn dein Hund weiß, wonach er suchen soll, kann die Intensität des Geruchs variiert werden. Denke hier nicht nur in Richtung schwacher Geruch – sondern auch in Richtung starker Duft.

Vor Jahren habe ich in einem Bericht gelesen, dass ein erfahrener Drogenspürhund eine große Menge Kokain nicht angezeigt hat. Er war Monate lang auf dezente Duftnuancen trainiert worden. Das Training war so intensiv, dass er starke Gerüche als nicht relevant abgespeichert hat. Natürlich hatte er das Kokain registriert. Er zeigte es aber nicht an, weil der Geruch zu stark war. Seitdem ich das weiß, variiere ich bei meinen Verstecken die Intensität der Gerüche.

Verwende zu Beginn im Spürhundetraining nur einen Geruch

Bleib zu Beginn bei einem Geruch. Bau die Geruchskonditionierung langsam auf und festigen sie gut. Mögliche weiterführende Trainingsinhalte stelle ich dir in einem der nächsten Blogartikel vor.

Der konkrete Geruch erleichtert die Konditionierung. Ja macht sie sogar erst möglich. Wechselst du den Duft am Anfang häufig, wird dein Hund die Aufgabe nur schwerlich verstehen. Bei einem konkreten Geruch kann sich dein Hund ganz auf die Sucharbeit konzentrieren. Zweifel, ob es sich um den richtigen Duft handelt, werden nicht aufkommen.

Erst, wenn dein Hund in der Lage ist, den Geruch unter Ablenkung in unterschiedlichsten Situationen zu finden, kann ein weiterer Geruch hinzugenommen werden. Diesen lernt dein Hund viel schneller kennen. In der Regel reicht eine Trainingseinheit aus.

Ob er den neuen Geruch auswendig lernt oder eine Geruchsprobe zum Einsatz kommt – darüber zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Unser Tipp für die Geruchswahl: Zedernholz

Wie du siehst, ist die Wahl des Geruchsstoffs ist nicht ganz unkompliziert. Zu welchem Geruch kann ich dir raten? Nun am besten zu unserem Startergeruch: Zedernholz.

Er erfüllt alle oben genannten Kriterien und noch vieles mehr:

  • Es kann einfach im Internet aber auch in größeren Warenhäusern oder in Drogeriemärkten als Mottenschutz gekauft werden.
  • Es ist einfach in der Handhabung.
  • Es kann über einen langen Zeitraum ausgelegt werden
  • Es ist ein vollkommen natürliches Produkt
  • Zedernholz ist absolut ungefährlich für den Hund
  • Es kontaminiert die Umgebung nicht langanhaltend
  • Es riecht in der Regel angenehm für Hund und Mensch
  • Zedernholz ist in verschiedenen Formen erhältlich (als Ringe, Blöcke. Scheiben, geschreddert etc. – du kannst es auch in Kugelform kaufen. Davon kann ich aber nur abraten. Die Gefahr das die Kugel verschuckt wird ist mir zu groß)
  • Zedernholz verwenden wir für unsere angelegten Nosecaches sowie auch für die Schnüffelbounds. Wenn du daran teil nehmen möchtest, muss dein Hund diesen Duft kennen.
  • Zedernholz ist perfekt für den Einstieg in die Geruchssuche.
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