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Suche im Hang – unsere erste Revival-Aufgabe

Distanzunterricht gab es bei uns schon vor Corona

2014 haben wir das erste Mal eine Aufgabe gestellt, die unsere Teilnehmer alleine lösen sollten. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wie wir damals überhaupt auf diese Idee gekommen sind. Ich glaube, es war Urlaubszeit und wir wollten den vor Ort gebliebenen Teilnehmern zumindest noch irgendeine Möglichkeit geben, dass sie ihren Hund beschäftigen können.

Das Ergebnis damals war ausgesprochen ernüchternd. Die Hunde fanden zum Teil NICHTS – NADA – GAR NICHTS.. Sie liefen oft gar nicht erst los oder gingen spazieren. Suchen? Fehlanzeige!

Es gab einen einzigen Hund, einen braunen Labrador, Perito, der mit sechs von neun gefundenen Geruchsquellen glänzen konnte. Alle anderen gingen mit einem oder null gefundenen Verstecken nach Hause.

Wir waren überrascht. Was war geschehen? In unseren Kursstunden waren die Hunde immer erfolgreich.
Was war diesmal anders? War die Aufgabe zu schwer? Oder gab es andere Begleitumstände?

Nun, wir haben hier gleich mehrere Sachen falsch gemacht. Zum einen war die Umgebung viel zu schwer gewählt. Dazu komme ich gleich noch mal etwas ausführlicher.
Zum anderen haben wir die Hunde nicht darauf vorbereitet, eine Aufgabe unabhängig von der Gruppe zu lösen.

Auswirkungen eines fehlenden Kontextes

Hunde versuchen eine Aufgabe anhand von Zusammengängen, zu erkennen. Wenn man sich jede Woche mit einer Gruppe von Menschen trifft und gemeinsam eine Sucharbeit macht, dann ist die Gruppe das Symbol für die Sucharbeit. Dem Hund ist klar, heute wird nicht spazieren gegangen, heute wird gearbeitet.
Macht man sich indessen alleine auf die Suche ohne die Gruppe im Hintergrund ist dem Hund nicht klar was zu tun ist.
Er geht von einem normalen Gassigang aus und wird gar nicht erst auf die Idee kommen zu suchen.

Aber auch wenn der Hund eine Suche alleine, mit seinem Besitzer kannte, gab es auch hier einen Fallstrick: Wenn unsere Teilnehmer mit ihren Hunden vorab alleine gesucht haben, dann so: Sie ließen ihren Hund sitzen – gaben ihm ein Bleib-Kommando – legten das Versteck an – gingen zum Hund zurück – und schickten ihn in die Suche.

Da war der Zusammenhang klar. Die Hunde hatten gesehen, dass ihr Mensch weggegangen ist, um etwas auszulegen. Keine Frage, da gibt es etwas zu finden und sie starteten wie selbstverständlich in die Suche.

Bei unserer angelegten Aufgabe sah das anders aus. Hier hatten sie nicht gesehen, wie jemand weggegangen ist, um ein Versteck anzulegen. Plötzlich sollten sie einfach loslaufen und suchen, ohne diese Einleitung. Das war für sie unverständlich. Und so liefen sie erst gar nicht los oder ging halt nur spazieren.

Waren die Hund zwischendurch nach viel Zureden endlich zur Suche zu bewegen, wurden sie trotzdem nicht fündig, weil, wie oben bereits erwähnt, die Aufgabe viel zu schwer war. Da löste sich die gerade erst gewonnene Suchbereitschaft wieder in Luft auf.

Was war das Problem bei der Aufgabe? Warum war sie so schwierig?

Suchaufgaben im Hang – Wie sich Thermik auf die Suche auswirkt

Die Aufgabe haben wir auf einer Halde in Herten angelegt. Dort wo einst der Abraum aus dem Kohlebergbau aufgeschüttet wurde, ist jetzt ein Berg in Form eines beliebten Naherholungsbereichs entstanden. Für die Spaziergänger wurden rund um die Halde mehrere Ebenen eingerichtet, auf denen sich Fußwege befinden. Die Ebenen sind über Schrägen miteinander verbunden.

Bei gutem Wetter steppt hier der Bär. Menschen mit Hunden, Jogger, Fahrradfahrer, herumtollende Kinder, nichts, was es nicht gibt.
Die Ablenkung ist gigantisch. Immer wieder muss der Hund aus der Sucharbeit herausgenommen werden, um nicht störend im Weg zu sein. Und dann erst einmal die ganzen Ablenkungsgerüche, die mit dem zu suchenden Duft konkurrieren.

Als wären dies nicht schon genug Schwierigkeiten, tummeln sich abends hunderte von Kaninchen auf den Hängen. Zahlreiche riesengroße Höhlen zeugen von ihrer Existenz.
Klar das jagdlich interessierte Hunde hier ihre liebe Mühe haben konzentriert zu arbeiten.

Das Gelände war also schon alleine aufgrund der Ablenkung nicht wirklich einfach, aber noch viel problematischer ist die Geruchsentwicklung auf so einem Berg.
Schauen wir uns das einmal genauer an:

Auf der Halde wirken thermische Gegebenheiten, die wir im Flachland nicht vorfinden.

Legen wir ein Versteck im Hang an, befindet sich dieses entweder ein wenig über dem Hunde oder unter ihm, je nachdem auf welcher Ebene der Hund gerade läuft.

Tagsüber wird der Berg von der Sonne erwärmt. Warme Luft steigt nach oben.

Läuft der Hund auf einer Ebene, über der Geruchsquelle, dann steigt der Geruch in die Nase und er kann die Quelle gut lokalisieren – vorausgesetzt sein Mensch erlaubt ihm etwas in den Hang hineinzulaufen.
Befindet sich das Versteck jedoch über ihn, kann er die Witterung nicht aufnehmen. Der Geruch zieht praktisch über ihn hinweg.

Nachts, wenn die Sonne untergegangen ist, kühlt die Luft wieder ab. Sie wird schwer und fällt nach unten. Geht der Mensch mit seinem Hund in den frühen Morgenstunden suchen, wird er die Geruchsquellen, die sich etwas über ihn befindet, nun gut lokalisieren können, weil ihm der Geruch von oben entgegenkommt.

Geruchsquellen, die sich jedoch unter ihm befinden, nimmt er nicht mehr wahr. Der Geruch zieht bergab von ihm weg.

Klingt kompliziert, ist es auch – und dabei haben wir den Wind noch gar nicht betrachtet.

Wind im Hang

Lasst uns einmal einen Blick auf die Windrichtung riskieren. Wären wir gerade auf der Wind abgewandten Seite, also im Windschatten unterwegs, könnten wir uns freuen. Ein Problem weniger. Vorausgesetzt, wir sind nicht in der Nähe der Bergspitze unterwegs. Hier kann es zu Verwirbelungen kommen.

Drückt der Wind zum Berg hin, kann der Hund die Gerüche, die sich auf der offenen Hangseite befinden, gut riechen. Geruchsquellen, die im inneren Hang liegen, nimmt er jedoch nur in Bodennähe wahr.

Kommt der Wind von vorn. Treibt es den Geruch in die Nase des Hundes.

Kommt er jedoch von hinten, treibt der Geruch weg. Hunde bemerken so erst viel später – erst wenn sie an der Geruchsquelle bereits deutlich vorbeigelaufen sind – dass der Geruch schwächer wird und sie sich wieder komplett zurück arbeiten müssen.

Besonders extrem kann dies in engen, bewachsenen Wegen sein. Der Bewuchs erzeugt einen Tunnel, durch den der Wind durchbläst. Wir sprechen von einem Tunneleffekt. Der Geruch wird extrem stark weitergetragen.

Ein so komplexes Geruchspuzzle hatten wir vorher im Training nie durchgenommen. Die Hunde wussten nicht, wie sie die Aufgabe lösen können und ihre Menschen konnten wenig zur Unterstützung beisteuern.

Wie sind Aufgaben im Hang zu lösen

Aber was können ihr denn nun bei solchen Aufgaben tun? Wie könnt ihr eurem Hund helfen?

  • Konzentriert euch voll und ganz auf euren Hund. Versucht zu erkennen, ob er gerade eine Witterung aufgenommen hat. Wenn ja, dann gebt ihm Zeit. Nehmt das Tempo raus, damit er das Geruchspuzzle in Ruhe auseinander nehmen kann. Nur so ist er in der Lage, sich zur Geruchsquelle hinzuarbeiten.
  • Erlaubt ihm vom Weg in den Hang hineinzulaufen. Er muss sich weiter entfernen dürfen, wie wir es in einer normalen Suchstrecke üblicherweise gestatten. Nur so hat er die Möglichkeit, dort in die Geruchswolke zu laufen.
  • Wenn er bergab oder bergauf laufen möchte, und die Leinenlänge nicht ausreicht, dann kann es sein, dass er gerade den Geruch von einer tiefer oder höher liegenden Ebene aufnimmt. Merkt euch die Stelle. Auf der nächsten Ebene solltet ihr sie euch noch einmal genauer ansehen. Vielleicht wird er von hier aus fündig. Das kann so weit führen, dass wir uns eventuell vom angegebenen Weg entfernen müssen.

Puh, ihr seht. So eine Haldenlandschaft ist alles andere als einfach zu bezwingen.
Mein Tipp: Bevor ihr euch an diese Riesenaufgabe macht, arbeitet am besten erst Aufgaben in kleineren Hängen aus, damit euer Hund bereits erste Erfahrungen mit diesen ungewohnten Situationen sammeln kann. Seid nicht frustriert, wenn die ersten Versuche auf der großen Halde holprig verlaufen. Freut euch über jeden Fund und seht es als Möglichkeit neue Erfahrungen zu sammeln.

Nun habe ich doch viel weiter ausgeholt, wie ich es eigentlich in diesem Artikel tun wollte. Ich denke aber es ist auf jeden Fall klar geworden, warum die Aufgabe fürs erste Mal viel zu komplex war.
Was wir am Ende mitnehmen konnten, war, dass wir die Hunde darauf vorbereiten müssen alleine in die Suche zu gehen – ohne eine Gruppe im Hintergrund.

Die Revival – Aufgabe, wie erging es unseren Hunden 9 Jahre später?

Vor einigen Wochen haben wir die Aufgabe noch einmal gestellt. Als Revival sozusagen. Gute 7 Jahre später. Ich war neugierig, wie sich unsere Hunde heute schlagen.
Die meisten Hunde waren zwar zu der damaligen Zeit noch nicht dabei, aber einige alte Hasen gab es doch noch.
Im Vergleich zu 2014 haben alle Hunde heute kein Problem mehr, alleine in die Suche zu gehen. Da können wir einen fetten Haken hinter setzen.
Dennoch hat sich gezeigt, dass auch die erfahrenen Teams mit der Aufgabe zu kämpfen haben.
Zugegeben, allzu oft üben wir nicht im Gefälle. Unsere Wälder und Parks weisen keine großen Höhenunterschiede auf. Die Hunde sind daher nicht im Training. Die Zahl der gefundenen Verstecke war sehr unterschiedlich. Es gab Hunde mit vielen Erfolgen und einige, die sich sichtlich schwergetan haben. Mir hat es gezeigt: Das sollten wir dringend noch einmal intensivieren. Da haben wir also schon den Themenschwerpunkt für den Saisonbeginn gefunden.

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